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Medizinisch-Psychologische Untersuchung MPU

Kein Idiotentest … und keine Märchenstunde …

Was ist die MPU?

MPU heißt: Medizinisch-Psychologische Untersuchung. Sie wird von Ihrer Führerscheinstelle (Fahrerlaubnisbehörde) angeordnet, weil sie Bedenken (Zweifel) an Ihrer Kraftfahreignung hat.

Ursache dafür können z.B. Auffälligkeit mit Alkohol oder Drogen im Straßenverkehr, Punkte und schwerwiegende Verkehrsverstöße.

Um diese Bedenken auszuräumen, bedient sich die Verwaltungsbehörde eines Medizinisch-Psychologischen Gutachtens (MPU).

Amtlich anerkannte „Gutachterstellen“, BfF (Begutachtungsstelle für Fahreignung) (Akkreditierung durch die Bundesanstalt für Straßenwesen BASt) wie z.B. TÜV Hessen, TÜV Nord, TÜV Süd, DEKRA, MPU-GmbH, PIMA, AVUS, IBBK oder BAD führen die MPU durch.

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hat auch die näheren Leitlinien zur MPU festgelegt: Begutachtungsleitlinien für Kraftfahreignung.

Weiterhin sind auch die Beurteilungskriterien (Urteilsbildung in der medizinisch-psychologischen Fahreignungsdiagnostik) für ein positives oder negatives Ergebnis bedeutsam (Entwickelt von: Deutsche Gesellschaft für Verkehrspsychologie und Deutsche Gesellschaft für Verkehrsmedizin).

Wann ist die MPU nötig? Welche MPU-Anlässe gibt es?

Die Führerscheinbehörde äußert u.A. Zweifel an der „charakterlichen Eignung“ zum Führen von Kraftfahrzeugen.

In § 2 Absatz 4 Straßenverkehrsgesetz (StVG) heißt es dazu: „Geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen ist, wer die notwendigen körperlichen und geistigen Anforderungen erfüllt und nicht erheblich oder nicht wiederholt gegen verkehrsrechtliche Vorschriften oder gegen Strafgesetze verstoßen hat…“

Wenn ein Fahrerlaubnisinhaber gemäß dieser Vorschrift nun nicht (mehr) geeignet erscheint, kann die bestehende Fahrerlaubnis entzogen werden.

Gründe für eine MPU können sein: Alkohol, Drogen, Punkte, Straftaten

  • Ein Fahrzeug wurde im Straßenverkehr bei einer Blutalkoholkonzentration (BAK) von 1,6 Promille oder mehr oder einer Atemalkoholkonzentration (AAK) von 0,8 mg/l oder mehr geführt
  • Wenn wiederholt Zuwiderhandlungen im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss begangen wurden (z.B. auch bei zwei Delikten ab 0,5 Promille …)
  • Fahrerlaubnis wurde bereits mehrfach entzogen
  • Alkohol- oder Drogenabhängigkeit (falls nicht erfolgreich behandelt)
  • Drogen- oder Medikamenteneinfluss im Straßenverkehr (Betäubungs- und Arzneimittel)
  • Ein erheblicher Verstoß oder wiederholte Verstöße gegen verkehrsrechtliche Vorschriften (Verkehrsordnungswidrigkeiten, Punkte)
  • 18 Punkte oder mehr (im Verkehrszentralregister in Flensburg), Fahren mit stark überhöhter Geschwindigkeit, Straftaten (z.B. Fahren ohne Fahrerlaubnis, usw.)
  • Eine erhebliche Straftat oder Straftaten, die im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr stehen
  • Anhaltspunkte für ein hohes Aggressionspotenzial (im Zusammenhang mit Straßenverkehr)

Fahrzeuge in diesem Zusammenhang sind nicht nur Kraftfahrzeuge, sondern auch Fahrräder …

MPU-Statistik 2012

Überblick über die Verteilung der verschiedenen Anlassgruppen, die einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) im Jahr 2012 zugewiesen wurden (Quelle: Bundesanstalt für Straßenwesen in Köln).

Was passiert bei der MPU? Wie läuft eine MPU ab?

Beispiel einer Fragestellung bei Alkoholauffälligkeit / Alkoholmissbrauch:

„Ist zu erwarten, dass Herr/Frau … auch künftig ein Kraftfahrzeug der Gruppe 1/2 (Fahrerlaubnisklasse …) unter Alkoholeinfluss führen wird und/oder liegen psychofunktionale oder andere alkoholassoziierte Beeinträchtigungen vor, die das sichere Führen eines Kraftfahrzeugs der Gruppe 1/2 (Fahrerlaubnisklasse …) in Frage stellen?“

Eine MPU dauert in der Praxis oft 3-4 Stunden und gliedert sich oft in folgende Teile:

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Teil 1: Der Fragebogen

Oft werden zu Beginn der Begutachtung im Rahmen der MPU schriftliche Befragungen (Fragebogen) vorgenommen.

Sie können folgende Bereiche betreffen:

  • Fragebogen zur Gesundheits- und Krankengeschichte
  • Fragebogen zu Angaben der Person („Lebenslauf“)
  • Fragebogen zur Entwicklung der jeweiligen „Problematik“ (z.B. Alkohol, Drogen, Verkehrsrecht, Strafrecht etc.)
  • Fragebogen zur ersten Abklärung von „Basiswissen“

Teil 2: Psychophysischer Leistungstest

In der Regel werden Sie bei der MPU auch einige sogenannte "psychophysische Leistungstests" durchlaufen müssen. Die Fahrerlaubnisverordnung definiert, welche Bereiche abzuklären sind.

Psychologische Testverfahren

Die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahrereignung schreiben dazu u. a.: "Zweifel an der psychischen Leistungsfähigkeit können sich ergeben wegen einer Minderung der optischen Orientierung, der Konzentrationsfähigkeit, der Aufmerksamkeit, der Reaktionsfähigkeit und der Belastbarkeit …" Angesichts möglicher Folgeschäden durch Missbrauch oder Abhängigkeit von Alkohol oder illegaler Drogen könnten bereits verkehrsrelevante Leistungsbeeinträchtigungen entstanden sein. Unter dem Aspekt der Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Diese Voraussetzungen werden u. a. in sogenannten Prozentrangpunkten ausgedrückt, die mindestens erreicht, bzw. nicht unterschritten werden sollten.

  • Für die Fahrerlaubnisgruppe 1 (bzw. A und B) muss der Prozentrang mindestens dem Wert 16 entsprechen. Ein Prozentrang 16 muss dabei in allen Testverfahren erreicht werden
  • Für die Fahrerlaubnisgruppe 2 (bzw. C und D) muss der Prozentrang überwiegend mindestens 33 betragen.

Fahrverhaltensprobe

Sollten Sie bei einer MPU im Rahmen dieser Testverfahren wider Erwarten insgesamt unzureichende Leistungen erzielt haben, können Sie (Fahrpraxis vorausgesetzt) in einer sog. Fahrverhaltensprobe nachweisen, dass die in der ungewohnten Testsituation erzielten Minderleistungen sich nicht negativ auf das gelernte Fahrverhalten auswirken. Eine Fahrverhaltensprobe wird jedoch nur bei positiven Ergebnissen in allen anderen Bereichen der MPU durchgeführt.

Teil 3: Die verkehrsmedizinische Untersuchung

Sie ist anlassbezogen und besteht u. a. darin, festzustellen, ob beispielsweise der Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenkonsum irgendwelche gesundheitlichen Schäden bzw. Einschränkungen verursacht hat.

Diese könnten gegebenenfalls die Fahreignung beeinträchtigen.

  • Der medizinische Gutachter klärt in seiner Anamnese ab, ob und welche Vorerkrankungen bestehen, Medikamenteneinnahme, Operationen, chronische Erkrankungen wie z.B. Diabetes Mellitus, etc.
  • Zur weiteren Untersuchung gehören in der Regel das Abtasten des Bauchraumes, Abhören von Herz und Lunge, Messen von Puls und Blutdruck, Tasten, ob die Leber palpabel ist, etc. Auch feinmotorische Tests wie der Finger-Nase-Versuch gehören dazu. Da Alkoholmissbrauch unter Umständen auch sichtbare Veränderungen an der Haut verursachen kann, gehört das Untersuchen nach Hautzeichen (Spider naevi, Gynäkomastie, etc.) ebenfalls dazu
  • Bei Drogenauffälligkeiten wird u.A. nach evtl. Injektionsstellen geschaut
  • Die ca. 20 Minuten dauernde Untersuchung wird mit einem Gespräch über Ihre Konsumgewohnheiten (Alkohol, Drogen, Zigarretten) abgeschlossen
  • Je nach Untersuchungsanlass wird ein Bluttest, Urintest oder eine Haaranalyse durchgeführt
  • Im Rahmen der medizinischen Untersuchung händigen Sie dem Gutachter Ihre bis dahin erworbenen medizinischen Laborbefunde aus

Untersuchungsanlass Alkohol

Beim Untersuchungsanlass Alkohol unterliegen (nicht nur) Leber- und Blutwerte (GGT, GPT, GOT, MCV, CDT) einer besonderen Bedeutung. Idealerweise sollten Ihre Werte im sogenannten Norm- oder Referenzbereich liegen.

Darüber hinaus können auch bei einer abstinenzpflichtigen Alkoholproblematik (Missbrauch) oder bei einer Alkoholabhängigkeit EtG-Nachweise in Form von Haaranalysen oder Urinscreenings erforderlich sein.

EtG ist die Abkürzung für Ethylglucuronid und ist ein "direktes Stoffwechselprodukt des Trinkalkohols".
"Es entsteht in der Leber durch den Abbau von Alkohol. EtG wird bereits beim Konsum geringer Mengen Alkohol gebildet und zeigt dessen Konsum verlässlich an. Im Blut beträgt die Nachweisbarkeit von EtG nur wenige Stunden. Daher ist Blut zur Abstinenzkontrolle nur bedingt geeignet. Im Urin kann EtG bis zu 72 Stunden nach Ende des Konsums nachgewiesen werden".
Labor Prof. Gisela Enders MVZ GbR · Rosenbergstraße 85 · 70193 Stuttgart

Untersuchungsanlass Drogen

Beim Untersuchungsanlass „Drogen“ sind Urinscreenings oder Haaranalyse-Ergebnisse ebenfalls wichtige Bestandteile der Untersuchung.

Hier sollten von Ihnen negative, das bedeutet in diesem Fall befundfreie Ergebnisse vorliegen.

Die genauen Informationen, ob und welche Labornachweise für Sie erforderlich sind, geben wir Ihnen gerne in einem persönlichen Beratungsgespräch, da hierzu genauere Informationen erforderlich sind.

Teil 4: Das psychologische Gespräch

Von allen stattfindenden Untersuchungen handelt es sich bei der psychologischen Untersuchung, dem sogenannten Explorationsgespräch, um den entscheidenden Schwerpunkt der MPU.

Selbst wenn alle anderen Untersuchungsergebnisse bisher für Sie sprechen, d.h. Sie entlasten, so kann dieses Gespräch mit dem Psychologen (verkehrspsychologischer Gutachter), „Ihre MPU“ doch noch negativ werden lassen.

Grundsätzlich wird das psychologische Gespräch auch z.T. als Entlastungsdiagnostik beschrieben. Das bedeutet, der Psychologe soll mit Ihnen im Gespräch klären, ob die Zweifel und Bedenken an Ihrer Fahreignung noch bestehen oder ob sie mittlerweile ausgeräumt werden können.

Darauf sollten Sie sich deshalb einstellen:

    • Hergang und Ursachen erfolgter Fehlverhalten werden besprochen
    • Es muss deutlich werden, dass die Ursachen und Bedingungen von Ihnen auch klar erkannt und beschrieben werden können
    • Welche Einsicht in die Entwicklungen der Auffälligkeit besteht. Widersprüche? Bagatellisierung? Schuldabwälzung?
    • Zugrunde liegende Motive der Auffälligkeiten
    • Erfolgte Einstellungs- und Verhaltensänderung
    • Rückfallproblematik
    • Normalerweise dauert ein Gespräch ca. 45 Minuten (bei Mehrfachauffälligkeiten auch länger)

In der Regel bekommen Sie sofort eine Mitteilung darüber, mit welchem Ergebnis Sie voraussichtlich rechnen können. Nach ca. 2-3 Wochen erhalten Sie das schriftliche Gutachten, dass Sie dann bei Ihrer Fahrerlaubnisbehörde abgeben können.

Danach bekommen Sie (bei positivem Ergebnis) Ihren Führerschein ausgehändigt. Sie besitzen wieder eine gültige Fahrerlaubnis.

 

Service-Nummer: 0541 - 1819852 (Montag – Freitag, 8 -19 Uhr)